Mali

S1-B: »Landed Markets«: Zur Kommodifizierung, Mobilisierung und Entterritorialisierung von Land im Zuge asiatischer Investitionen in afrikanische Landmärkte

Übersicht: 

Im Zuge der weltweit wachsenden Nachfrage nach Land sind zahlreiche ländliche Regionen Afrikas zu begehrten Zielen asiatischer Investoren geworden. Das Teilprojekt S1-B »Landed Markets: Zur Kommodifizierung, Mobilisierung und Entterritorialisierung von Land im Zuge asiatischer Investitionen in afrikanische Landmärkte« verfolgt in unterschiedlichen Ländern Afrikas drei Teilfragen:

  • Constructed Markets: Wie wird das Phänomen »FDI in Land/Land Grabbing« in Afrika und Asien (im Vergleich mit Europa) medial konstruiert und normativ bewertet?
  • Mobilizing Markets: Wie wird »Land« im Kontext asiatischer Direktinvestitionen lokal kommodifiziert und transnational mobilisiert?
  • Negotiating Markets: Wie interagieren afrikanische und asiatische Akteure in Aushandlungs- und Entscheidungsprozessen?

Das multimethodisch und plurilokal verfahrende Projekte wendet sich umkämpften Privatisierungen von Landtiteln in traditionell kollektiven Bodenverfügungssystemen und sozio-technischen Operationen zur Einrichtung eines formalisierten Bodenmarkts mit One-Stop-Shops zur beschleunigten Landtransaktion ebenso zu wie den Motiven und Strategien asiatischer Großkonzerne und halbstaatlicher Akteure bei Landinvestitionen in Afrika mit dem Fokus auf Wahrnehmung von afrikanischen Vertragspartner insbesondere im Vergleich zu Vertragspartnern in Südostasien. Auf afrikanischer Seite wird das Projekt vergleichend in Mali, Benin, Kamerun und Madagaskar realisiert. In diesen Ländern sind es unter anderem malaysische, indische, chinesische, südkoreanische und japanische Akteure, die in jüngerer Zeit Landflächen für neue Projekte zur transregionalen Herstellung unterschiedlicher Produkte (Nahrungs- und Futtermittel, Industrie- und Energiepflanzen) akquiriert haben. Diese Vielfalt an beteiligten Akteuren und die unterschiedliche historische Ausgangssituation macht die ausgewählten Länder zu idealen Untersuchungsregionen für die Frage nach der Dynamik, die von neu geschaffenen asiatisch-afrikanischen Landmärkten auf periphere Regionen des globalen Südens ausgehen. Eröffnen sich postkoloniale Entwicklungschancen oder werden Muster neokolonialer Abhängigkeit stabilisiert? Die Perspektive asiatischer Akteure untersuchen wir einerseits über die Repräsentanz der beteiligten Unternehmen in den jeweiligen afrikanischen Zielländern, andererseits aber auch durch eine empirische Beschäftigung mit Aushandlungsprozessen in asiatischen Staaten selbst, insbesondere am häufig vernachlässigten Beispiel Japans. Neben eingeführten methodischen Instrumenten wie Diskursanalyse, teilnehmender Beobachtung und qualitativen Interviews, operiert das Projekt auch mit innovativen Techniken der »critical cartography«. Mit partizipativer kartographischer Visualisierung lassen sich die subjektiven Wahrnehmungen von Land und Ressourcen unterschiedlicher afrikanischer und asiatischer Akteursgruppen registrieren und Prozesse der kognitiven An- und Enteignung von Ressourcen und die daraus entstehenden Konfliktlinien analysieren. Gleichzeitig werden verfügbare offizielle Karten nationaler und international Organisationen sowohl in technischer Hinsicht als auch in methodischer und (ideo)logischer Hinsicht untersucht, um eine darauf aufbauende Analyse der machtgeladenen Herstellung von Ressourcenqualität, -verfügbarkeit und -nutzung zu ermöglichen.

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Involvierte AFRASO Mitglieder: 

AFRASO Publications

Berndt, Christian & Marc Boeckler ; 2016 ; Behave, global south! Economics, experiments, evidence. ; Geoforum ; 70 ; 22–26

Talks and Lectures

Marc Boeckler ; What's in a Region? ; Friday, June 7, 2013 ; Bayreuth
Kersting, Philippe ; Marginal Lands als strategisches (Un)Sichtbarmachen von Ressourcen ; Saturday, June 29, 2013 ; Frankfurt a.M.
Kersting, Philippe ; Lang Grabbing in Westafrika - Ein Beitrag zur Nahrungsmittelsicherheit? ; Friday, October 4, 2013 ; Passau
Kersting, Philippe ; Land Grabbing in Afrika - Ein Kontinent wird neu verteilt ; Monday, November 4, 2013 ; Passau
Kersting, Philippe ; Afrikanisches Land - Eine asiatische Option? ; Tuesday, June 4, 2013 ; Goethe-Universität Frankfurt

S2-A: Handelsnetzwerke und Migration zwischen Afrika und Asien

Übersicht: 

Handelsnetzwerke und Migration zwischen Asien und Afrika bestehen schon seit langer Zeit, sind aber durch die Öffnung Chinas und das chinesische Engagement in Afrika zunehmend im Fokus der westlichen Öffentlichkeit. Über die konkreten kulturellen und wirtschaftlichen Wechselwirkungen aus lokaler Sicht, ist jedoch bisher nur wenig bekannt. Neben makropolitischen Dynamiken beeinflusst der kulturelle Hintergrund der Beteiligten die Organisation von Handelsnetzwerken und die Entwicklung unternehmerischer Strategien. Das Vorhaben geht den Unterschieden zwischen afrikanischen und asiatischen Netzwerken nach. Wir fragen, welche Netzwerke (von Familien bis zu internationalen Unternehmen), welche Sektoren des Handels übernehmen und wie deren Entscheidungsprozesse von der Interaktion mit Angehörigen der anderen Kultur geprägt werden.
Ein Schwerpunkt unsere Forschung gruppiert sich um die Waren selbst. Obwohl Konsumgüter das Gros der afrikanischen Importe aus Asien ausmachen, werden auch Dienstleistungen wie tertiäre Bildung in dem afrikanisch / asiatischen Handelsgeflecht angeboten. Es stellt sich die Frage, in welchen Regionen sich Händler auf welche Angebote und Dienstleistungen spezialisieren. Auch ist kaum bekannt, welche Waren und Dienstleistungen neben Rohstoffen aus Afrika nach Asien gelangen und wie dieser Handel konkret auf der persönlichen Ebene stattfindet. Den Märkten folgen und folgten Menschen und Ideen. Welche Formen des Handels unterstützen Staaten und welche ideologischen und historischen Themen bestimmen die Politik dieser Länder? Welche Migrationserfahrungen machen Afrikaner/Asiaten im jeweiligen fremden Kontext und wie unterscheiden diese sich von den Erfahrungen, die zum Beispiel in Europa gemacht werden? Wie hat sich der Handel verändert und welche neuen Netzwerke haben sich gebildet? Welche Diskurse haben sich über die Aktivitäten der Asiaten in Afrika entwickelt? Wie bewertet man in Afrika einerseits die als positiv erlebten Entwicklungen im Bereich der Infrastruktur und der Güterversorgung, und andererseits die Präsenz der Fremden, die Konkurrenz für afrikanische Unternehmen darstellen und deren Fremdheit oftmals negativ belegt ist? Spielen diese Bewertungen für die Handelsnetzwerke überhaupt eine Rolle?
Die Feldforschungen werden in Westafrika (Kamerun, Mali) und im südlichen Afrika sowie in Indonesien, Malaysia, Japan und China durchgeführt. Das breite regionale Spektrum lässt einen Vergleich zwischen historisch und kulturell unterschiedlichen Regionen zu. Zusammengeführt wird diese Pluralität durch die enge Zusammenarbeit der beteiligten Wissenschaftler und die aufeinander abgestimmten Fragestellungen. Ute Röschenthaler untersucht in Kooperation mit Antoine Socpa in Douala und Yaounde, kamerunische und asiatische Netzwerke, in Bamako in Kooperation mit Birama Diakon die Netzwerke malischer und chinesischer Händler und gemeinsam mit Shigehiro Sassaki afrikanische Netzwerke in Japan. Mamadou Diawara erforscht malische Migranten in Indonesien und Rückkehrer in Bamako. Malaysische Bildungsunternehmer im südlichen Afrika werden von Sandra Manickam untersucht und Matthias Gruber untersucht die alten und neuen chinesisch/südafrikanischen Handelsnetzwerke in Südafrika und China.

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Involvierte AFRASO Mitglieder: 

AFRASO Publications

Röschenthaler, Ute and Dorothea Schulz ; 2016 ; Cultural Entrepreneurship in Africa ; Oxon / New York: Routledge

Talks and Lectures

Röschenthaler, Ute & Julia Binter ; Trade, crisis and cultural entrepreneurship in the Niger Delta and the Cross River Region ; Saturday, October 3, 2015 ; Marburg
Diawara, Mamadou ; The Time-Tested Traditionist: Intellectual Trajectory and Mediation from the Early Empires to the Present Day. Landscapes, Sources and Intellectual Projects: Politics, History and the West African Past ; Thursday, November 12, 2015 to Saturday, November 14, 2015 ; Department of African Studies and Anthropology (DASA) and Centre of West African Studies (CWAS), University of Birmingham
Ute Röschenthaler ; The History of Green Tea in Mali and Beyond ; Thursday, May 15, 2014 ; Goethe-Universität Frankfurt
Ute Röschenthaler ; The History of Green Tea in Africa ; Thursday, December 18, 2014 ; Bejing University
Diawara, Mamadou ; The Call of the ‘Bush’: Malian Migrants on their Way to Asia ; Wednesday, March 12, 2014 ; Kuala Lumpur
Diawara, Mamadou ; Seeing like scholars. Whose exile? Making a life in being at home and abroad ; Wednesday, March 25, 2015 ; Kapstadt
Ute Röschenthaler ; Commercial Networks and Cultural Brokers: Cameroonian Traders in China ; Wednesday, March 12, 2014 ; Kuala Lumpur, Malaysia
Diawara, Mamadou ; China und Afrika, SoSe 2013 ; Goethe University Frankfurt
Röschenthaler, Ute; Haugen, Heide & Michaela Pelican ; Challenges to African entrepreneurship in Malaysia ; Thursday, July 9, 2015 ; Sorbonne, Paris
Ute Röschenthaler ; Brokers as Intermediaries in Commercial Trade Networks ; Sunday, December 14, 2014 ; Jinan University, Guangzhou
Röschenthaler, Ute ; Bewegung von Menschen und Gütern im globalen Kontext ; Wednesday, July 1, 2015 ; Hannover
Diawara, Mamadou ; Asien in Afrika, WiSe 2014/15
Diawara, Mamadou ; Asia as Horizon and Home for West Africans from the 1980s ; Saturday, August 8, 2015 ; Stellenbosch Institute for Advanced Study
Diawara, Mamadou ; (Dis-)connections in Histories of African Studies on the Continent and Beyond, ; Friday, July 10, 2015 ; Sorbonne, Paris

S2-F: Chinesische Medizin in Afrika

Übersicht: 

In Mali gibt es inzwischen mehr als 16.000 chinesische Mediziner, die seit den 1960er Jahren nicht mehr aus dem malischen Gesundheitssystem wegzudenken sind. Zunächst waren sie nur in Krankenhäusern aktiv. Im Gegensatz zu ihren französischen und russischen Kollegen lernten sie Bambara und konnten direkt mit Patienten und Mitarbeitern kommunizieren. Hier interessiert uns die Interaktion chinesischer Mediziner mit malischen Fachkräften wie Krankenschwestern, Pflegern und Verwaltungspersonal. Wurden nur Techniken importiert und angewendet oder auch lokales Wissen angeeignet? In welche Kontexten wurde/wird Schulmedizin westlicher Prägung praktiziert und wo traditionelle chinesische Medizin? Nachdem die Gesundheitsversorgung in der Vergangenheit in der Hand des Staates lag, wird sie seit den späten 1980er Jahren in Mali zunehmend privatisiert. Hierbei spielen chinesische Ärzte und Heiler eine besondere Rolle. Traditionelle chinesische Medizin (TCM) wird zunehmend durch ambulante Spezialisten in Mali popularisiert, die auf den Straßen ihre Dienste anbieten. Hier stellen sich die Fragen, wer diese Leute sind, welchen professionellen Hintergrund sie haben und wer sie konsultiert.
Nach Südafrika kam die chinesische Medizin mit den ersten Arbeitsmigranten Ende des 19. Jahrhunderts. Heute wird sie nicht nur innerhalb der chinesischen Gemeinschaft praktiziert, sondern ist in der Mittelschicht zunehmend als „alternative“ Medizin akzeptiert. Sie weist Parallelen zur Praxis der herbal doctor und „traditionellen“ Heiler auf. Die Ebene auf der die unterschiedlichen Medizintraditionen zusammenfinden, ist jedoch eine gänzlich andere. Es sind südafrikanische, westliche und asiatische Pharmakonzerne, die versuchen, das Wissen um traditionelle Heilmittel zu systematisieren, analysieren und zu kapitalisieren. Hier interessiert uns insbesondere die Zusammenarbeit chinesischer und südafrikanischer Unternehmen.
Es ergeben sich zwei Komplexe die mit ethnologischen Mitteln erforscht werden sollen:

  1. Ärzte/Heiler und Patienten: wer konsultiert wen in welchen Angelegenheiten, wo gibt es Abgrenzungen und wo Überschneidungen, lässt sich eine veränderte Wahrnehmung des asiatischen Einflusses konstatieren, welche Methoden aus Asien finden über wen ihren Weg in die traditionelle afrikanische Medizin und wie?
  2. Chinesische Pharmazeuten sind in der Erforschung biochemischer und genetisch nutzbarer Ressourcen (Bioprospektion) vertreten. Wer arbeitet hier mit wem zusammen, welcher Strukturen bedient sich diese Zusammenarbeit, tritt hierbei Entwicklung als narrativ auf? Wie erfahren beide Seiten das asiatische Engagement?

In Mali und Südafrika sind teilweise komplementäre, teilweise unterschiedliche Befunde zu erwarten. Sie geben Aufschluss über Gemeinsamkeiten von Strukturen, aber auch über die historische und kulturelle Bedingtheit der asiatischen Einflussnahme.

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Involvierte AFRASO Mitglieder: 

AFRASO Publications

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Talks and Lectures

Diawara, Mamadou ; The Time-Tested Traditionist: Intellectual Trajectory and Mediation from the Early Empires to the Present Day. Landscapes, Sources and Intellectual Projects: Politics, History and the West African Past ; Thursday, November 12, 2015 to Saturday, November 14, 2015 ; Department of African Studies and Anthropology (DASA) and Centre of West African Studies (CWAS), University of Birmingham
Diawara, Mamadou ; The Call of the ‘Bush’: Malian Migrants on their Way to Asia ; Wednesday, March 12, 2014 ; Kuala Lumpur
Diawara, Mamadou ; Seeing like scholars. Whose exile? Making a life in being at home and abroad ; Wednesday, March 25, 2015 ; Kapstadt
Gruber, Matthias ; Mobilität als Lebensentwurf – Migration und Integration asiatischer Handler in Südafrika ; Friday, March 6, 2015 ; Goethe University, Frankfurt
Gruber, Matthias ; It’s not all about the money: Life-worlds of Chinese Traders in South Africa ; Tuesday, March 11, 2014 ; Kuala Lumpur
Diawara, Mamadou ; China und Afrika, SoSe 2013 ; Goethe University Frankfurt
Diawara, Mamadou ; China und Afrika, SoSe 2013 ; Goethe University Frankfurt
Gruber, Matthias ; Brokerage in Johannesburg ; Sunday, December 14, 2014 ; Guangzhou
Gruber, Matthias ; Beyond business. An incomplete portrait of a Chinese businesswoman in Johannesburg. ; Friday, May 16, 2014 to Thursday, March 31, 2016 ; Frankfurt a. M.
Gruber, Matthias ; Between Africa and China: Young Chinese entrepreneurs in Johannesburg, South Africa ; Thursday, December 18, 2014 ; Peking University
Gruber, Matthias ; Being a “New Chinese” in Johannesburg ; Tuesday, March 24, 2015 ; Kapstadt
Diawara, Mamadou ; Asien in Afrika, WiSe 2014/15
Diawara, Mamadou ; Asia as Horizon and Home for West Africans from the 1980s ; Saturday, August 8, 2015 ; Stellenbosch Institute for Advanced Study
Diawara, Mamadou ; (Dis-)connections in Histories of African Studies on the Continent and Beyond, ; Friday, July 10, 2015 ; Sorbonne, Paris